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Empfehlungen
Druckmaterialien
| Material | Gruppe | ISO-Klasse | Biegefestigkeit | Transluzenz | Produkte |
|---|
Hersteller & Produkte
ISO 6872 — die neutrale Sprache der Dentalkeramik
Statt nach Pulverzusammensetzung (3Y / 4Y / 5Y — eine herstellergebundene Nomenklatur) klassifiziert ISO 6872 jede Keramik nach klinischer Indikation, abgeglichen mit einer Mindest-Biegefestigkeit. So lässt sich jedes Markenmaterial herstellerunabhängig einordnen — und Anwender, Verordner und Labor sprechen dieselbe Sprache.
Gruppe I
Vorwiegend glasige Keramiken (Feldspat). Hoch transluzent, niedrige Festigkeit, spröde. → Veneers, Verblendung.
Gruppe II
Partikelverstärkte Gläser & Glaskeramik: Leuzit, Lithiumdisilikat, ZLS. Guter Ästhetik-Festigkeit-Kompromiss.
Gruppe III
Polykristalline Keramik (Zirkon). Keine Glasphase — höchste Festigkeit, von opak (3Y) bis transluzent (5Y).
| Klasse | Mindestfestigkeit | Typische Indikation | Typische Materialien |
|---|
Klassengrenzen nach dem etablierten ISO-6872-Schema (50 / 100 / 300 / 500 / 800 / 1000 MPa). Editionsabhängige Formulierungen und Unterklassen (z. B. 1a/1b, 2a/2b) bitte gegen die für deine Zertifizierung maßgebliche Fassung prüfen.
ISO 6872 — Unterklassen (a/b)
Innerhalb der Klassen unterscheidet die Norm zusätzlich nach Befestigung und Mindeststärke: „a“ = adhäsiv befestigt (z. B. dünnere monolithische Restauration), „b“ = konventionell bzw. selbst-/vollständig gestützt. Beispiel: 1a ≥ 50 MPa adhäsive Veneers, 1b/2 ≥ 100 MPa monolithische Einzelversorgung. Die obige Tabelle fasst die übergeordneten Klassen 1–6 zusammen.
Additiv: Polymernormen (3D-Druck)
Gedruckte Materialien sind keine Keramik und fallen nicht unter ISO 6872, sondern unter Polymer- und Zulassungsnormen:
| Norm | Geltungsbereich |
|---|---|
| ISO 4049 | Polymerbasierte Füllungs- & Restaurationsmaterialien (Komposite) — Bezug für keramikgefüllte Druckharze |
| ISO 10477 | Polymerbasierte Kronen- & Brückenmaterialien (provisorisch/permanent) |
| ISO 20795-1 | Prothesenbasis-Polymere — Biegefestigkeit ≥ 65 MPa |
| ISO 20795-2 | Kieferorthopädische Polymere (z. B. Schienen, Retainer) |
| ISO 13485 / EU-MDR 2017/745 | Qualitätsmanagement & CE-Zulassung des Herstellers — Voraussetzung für biokompatible Intraoral-Anwendung |
Additiv: MDR-Risikoklassen (Medizinprodukt)
Die „Klasse“ bei Druckmaterialien ist die Risikoklasse des Medizinprodukts nach EU-MDR — abhängig von Zweckbestimmung, Kontaktart und -dauer (Klassifizierungsregeln, u. a. Regel 5/8/9):
| Klasse | Bedeutung | Typische 3D-Druck-Anwendung |
|---|---|---|
| kein MP | Hilfsmittel ohne Patientenkontakt | Kiefermodelle, Stümpfe, Arbeits-/Aligner-Modelle |
| Klasse I | geringes Risiko; kurzzeitiger, nicht-invasiver Kontakt | Abformlöffel, Übertragungstrays (IDB), Try-ins, viele Bohrschablonen |
| Klasse IIa | mittleres Risiko; vorübergehender bis längerer Schleimhaut-/Körperkontakt | Aufbissschienen, Prothesenbasen & -zähne, provisorische und permanente Kronen/Brücken |
| Klasse IIb | höheres Risiko; langfristig invasiv/belastend | im Laboralltag selten für Druckpolymere |
| Klasse III | höchstes Risiko (Implantate, resorbierbar) | nicht relevant für gängige Druckharze |
Die exakte Einstufung legt der Hersteller in der Zweckbestimmung fest. Bohrschablonen können je nach Auslegung Klasse I oder IIa sein. Maßgeblich ist stets die CE-Kennzeichnung des konkreten Produkts.