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Material-Wegweiser

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Subtraktiv — gefräste und geschliffene Materialien (Keramik, Metall, PMMA/Komposit). Klassifikation nach ISO 6872 über Indikation und Biegefestigkeit. Für gedruckte Materialien → Tab Additiv.

Empfehlungen

Additiv — gedruckte Materialien (Photopolymere & keramikgefüllte Komposite), gegliedert nach Druckobjekt. Klassifikation nicht nach ISO 6872, sondern als Medizinprodukt nach MDR-Risikoklasse (I / IIa) bzw. Polymernormen (ISO 4049/10477/20795). „Klasse“-Angabe = MDR-Klasse.
Drucksysteme (Auswahl): Stratasys DentaJet J3/J5/XL (PolyJet, multi-material/Vollfarbe) · SprintRay Pro 2 / Midas · Formlabs Form 4B/4BL · Asiga Max/Pro/Ultra · 3D Systems NextDent 5100 / Figure 4 · Rapid Shape · Ackuretta SOL/DENTIQ · Carbon M-Serie · Kulzer cara Print Cube · Prodways · Photocentric · Nexa3D · EnvisionTEC/ETEC. Offene Systeme (Asiga, Rapid Shape, Ackuretta …) drucken validierte Fremdharze; geschlossene (Formlabs, NextDent, Stratasys) v. a. eigene Materialien. Wellenlänge (385/405 nm) ist herstellertypisch angegeben — maßgeblich bleibt das freigegebene Druckprofil / die IFU des Materials.

Druckmaterialien

Material Gruppe ISO-Klasse Biegefestigkeit Transluzenz Produkte

Hersteller & Produkte

ISO 6872 — die neutrale Sprache der Dentalkeramik

Statt nach Pulverzusammensetzung (3Y / 4Y / 5Y — eine herstellergebundene Nomenklatur) klassifiziert ISO 6872 jede Keramik nach klinischer Indikation, abgeglichen mit einer Mindest-Biegefestigkeit. So lässt sich jedes Markenmaterial herstellerunabhängig einordnen — und Anwender, Verordner und Labor sprechen dieselbe Sprache.

Gruppe I

Vorwiegend glasige Keramiken (Feldspat). Hoch transluzent, niedrige Festigkeit, spröde. → Veneers, Verblendung.

Gruppe II

Partikelverstärkte Gläser & Glaskeramik: Leuzit, Lithiumdisilikat, ZLS. Guter Ästhetik-Festigkeit-Kompromiss.

Gruppe III

Polykristalline Keramik (Zirkon). Keine Glasphase — höchste Festigkeit, von opak (3Y) bis transluzent (5Y).

Additiv / 3D-Druck: Gedruckte Polymere und keramikgefüllte Komposite (Provisorien, permanente Kronen, Prothesen, Schienen, Schablonen) sind eine eigene Werkstofffamilie. Sie werden nicht nach ISO 6872 klassifiziert, sondern nach Polymernormen — ISO 4049/10477 (Kronen & Brücken) bzw. ISO 20795 (Prothesenkunststoffe). Im Tool als Gruppe „Additiv“ geführt.
KlasseMindestfestigkeitTypische IndikationTypische Materialien

Klassengrenzen nach dem etablierten ISO-6872-Schema (50 / 100 / 300 / 500 / 800 / 1000 MPa). Editionsabhängige Formulierungen und Unterklassen (z. B. 1a/1b, 2a/2b) bitte gegen die für deine Zertifizierung maßgebliche Fassung prüfen.

ISO 6872 — Unterklassen (a/b)

Innerhalb der Klassen unterscheidet die Norm zusätzlich nach Befestigung und Mindeststärke: „a“ = adhäsiv befestigt (z. B. dünnere monolithische Restauration), „b“ = konventionell bzw. selbst-/vollständig gestützt. Beispiel: 1a ≥ 50 MPa adhäsive Veneers, 1b/2 ≥ 100 MPa monolithische Einzelversorgung. Die obige Tabelle fasst die übergeordneten Klassen 1–6 zusammen.

Additiv: Polymernormen (3D-Druck)

Gedruckte Materialien sind keine Keramik und fallen nicht unter ISO 6872, sondern unter Polymer- und Zulassungsnormen:

NormGeltungsbereich
ISO 4049Polymerbasierte Füllungs- & Restaurationsmaterialien (Komposite) — Bezug für keramikgefüllte Druckharze
ISO 10477Polymerbasierte Kronen- & Brückenmaterialien (provisorisch/permanent)
ISO 20795-1Prothesenbasis-Polymere — Biegefestigkeit ≥ 65 MPa
ISO 20795-2Kieferorthopädische Polymere (z. B. Schienen, Retainer)
ISO 13485 / EU-MDR 2017/745Qualitätsmanagement & CE-Zulassung des Herstellers — Voraussetzung für biokompatible Intraoral-Anwendung

Additiv: MDR-Risikoklassen (Medizinprodukt)

Die „Klasse“ bei Druckmaterialien ist die Risikoklasse des Medizinprodukts nach EU-MDR — abhängig von Zweckbestimmung, Kontaktart und -dauer (Klassifizierungsregeln, u. a. Regel 5/8/9):

KlasseBedeutungTypische 3D-Druck-Anwendung
kein MPHilfsmittel ohne PatientenkontaktKiefermodelle, Stümpfe, Arbeits-/Aligner-Modelle
Klasse Igeringes Risiko; kurzzeitiger, nicht-invasiver KontaktAbformlöffel, Übertragungstrays (IDB), Try-ins, viele Bohrschablonen
Klasse IIamittleres Risiko; vorübergehender bis längerer Schleimhaut-/KörperkontaktAufbissschienen, Prothesenbasen & -zähne, provisorische und permanente Kronen/Brücken
Klasse IIbhöheres Risiko; langfristig invasiv/belastendim Laboralltag selten für Druckpolymere
Klasse IIIhöchstes Risiko (Implantate, resorbierbar)nicht relevant für gängige Druckharze

Die exakte Einstufung legt der Hersteller in der Zweckbestimmung fest. Bohrschablonen können je nach Auslegung Klasse I oder IIa sein. Maßgeblich ist stets die CE-Kennzeichnung des konkreten Produkts.